Familienmedizin in der Hausarztpraxis

Familienmedizin

Familienmedizin in der Hausarztpraxis – was ist das?

Die Familienmedizin ist ein wichtiger und eigenständiger Bereich der Allgemeinmedizin. Sie hat dank ihrer integrativen Betrachtungsweise die Patienten in ihrer Gesamtheit im Blick. Die Beachtung somatischer, psychischer, systemischer und soziokultureller Aspekte gehört explizit dazu. Sie vertritt einen generalistischen Ansatz, der mit zunehmender Spezialisierung und Partikularisierung innerhalb der Medizin beinahe verloren gegangen wäre.

Familienmedizin gewinnt in der heutigen Gesellschaft an Bedeutung, will man den gesundheitlichen Herausforderungen, die durch Migration, Alterung der Bevölkerung, Pflegebedürftigkeit und soziale Probleme wie Armut oder Arbeitslosigkeit entstehen, adäquat begegnen. Sie wurde auch in den 2012 veröffentlichten Positionen zur Zukunft der Allgemeinmedizin und der hausärztlichen Praxis von der DEGAM (Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin) explizit benannt:

Familienmedizin ist eine wichtige Aufgabe in der hausärztlichen Versorgung. Eine generationenübergreifende und den sozialen Kontext einbeziehende Versorgung der Bevölkerung erfordert Wissen um die familiären Lebensbedingungen. Die Familienmedizin als integrierter Teil hausärztlichen Handelns muss sich im Alltag interprofessionell verzahnen. (Hegemann et al. 2000) Immer stehen dabei aber die Patienten, ihr Lebensumfeld sowie dessen Auswirkungen auf ihre Gesundheit im Zentrum. Dabei kann die Beziehung sowohl zum individuellen Patienten in seinem familiären Kontext als auch zur Familie als Ganzes, als System, bestehen. (Buetow/Kenealy 2007, Himmel/Kochen 1998)“ (DEGAM-Zukunftspositionen 2012, S.8)

Die Familie im Fokus erlaubt es, problematischen Entwicklungen vorzubeugen, auf die familiäre Situation abgestimmte Behandlungsoptionen anzubieten und systemische Aspekte mit zu berücksichtigen.

Eine genaue Definition für „Familienmedizin in der Hausarztpraxis“ stand bisher für den deutschsprachigen Raum noch aus. Das Institut für Allgemeinmedizin der Universität Düsseldorf (ifam) initiierte für die Erarbeitung einer solchen Definition „Familienmedizin in der Hausarztpraxis“ eine Expertenbefragung [Link zu Forschungsprojekt]. Die daraus hervorgegangene Arbeitsdefinition „Familienmedizin in der Hausarztpraxis“ wird für die kommenden Jahre als gemeinsamer Ausgangspunkt für versorgungsnahe Forschungsprojekte angeboten. Diese Arbeitsdefinition kann durchaus – im Lichte neuer Forschungsergebnisse zu diesem Bereich – in einigen Jahren hinsichtlich ihrer Stimmigkeit und Praxistauglichkeit revidiert werden.

Die Arbeitsdefinition in einer Kurz- und Langfassung finden Sie hier:
PDF Arbeitsdefinition Familienmedizin ifam 2015

Literatur
V. Kalitzkus, Vollmar H.C. (2016): Familienmedizin in der Hausarztpraxis. Eine Delphi-Studie zur Entwicklung einer gemeinsamen Arbeitsdefinition. Zeitschrift für Allgemeinmedizin 2016; 92 (5): 208-212.

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