Präferenzen der Bevölkerung für die Versorgung von Familienmitgliedern in derselben Hausarztpraxis in Deutschland

Vera Kalitzkus, Stefan Wilm, Daniel Kotz, Sabrina Kastaun
Institut für Allgemeinmedizin, Forschungsschwerpunkt “Familienmedizin”, “Suchtforschung und klinische Epidemiologie”, “Patient-Arzt-Kommunikation”, Centre for Health and Society, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Düsseldorf

Die Versorgung mehrerer Familienmitglieder in einer Hausarztpraxis ist ein besonderes Merkmal der Allgemeinmedizin. Bisher lagen jedoch keine validen und repräsentativen Daten darüber vor, ob die Bevölkerung dies auch wünscht. Wie hoch ist die Präferenz in der Bevölkerung Deutschlands für die Versorgung mehrerer/aller Familienangehöriger in einer Hausarztpraxis? Sind sozio-demographische Personenmerkmale, Haushaltsnettoeinkommen, städtisches/ländliches Setting, Migrationshintergrund oder Haushaltsgröße mit dieser Präferenz assoziiert?

Methoden: In einer repräsentativen Bevölkerungsstudie wurde im August/September 2020 eine Frage zur Präferenz der Versorgung von Familienmitgliedern in einer Hausarztpraxis beigefügt (n=2017 Befragte ab 14 Jahren). Die Studie erhebt Daten mittels persönlich-mündlicher Interviews. Die Präferenz wurde mit folgender Frage gemessen: „Hausärztinnen und Hausärzte versorgen die ganze Bevölkerung, einzelne Personen genauso wie Familien. Wenn Sie entscheiden können – wie möchten Sie Ihre Hausarztpraxis auswählen?“ Antwortoptionen: (1) Ich möchte, dass viele oder alle Mitglieder meiner Familie in einer Hausarztpraxis versorgt werden; (2) Ich möchte, dass die Mitglieder meiner Familie in verschiedenen Hausarztpraxen versorgt werden; (3) Es ist mir egal, ob meine Familienmitglieder in einer Hausarztpraxis oder in verschiedenen Hausarztpraxen versorgt werden. Ein detaillierter Analyseplan der jetzigen Studie wurde vor der Auswertung veröffentlicht (https://osf.io/yq3xm/).

Familienkonferenzen bei Frailty: Erhöhung der Patientensicherheit durch gemeinsame Priorisierung (cofrail)

Das geriatrische Frailty-Syndrom bezeichnet einen Zustand körperlicher Gebrechlichkeit, der mit verminderter Lebenserwartung und erhöhten Risiken für Verwirrtheitszustände, Stürze und Krankenhauseinweisungen verbunden ist. Die medizinische Versorgung von Patientinnen und Patienten mit Frailty ist komplex. Das Projekt COFRAIL zielt darauf, die hausärztliche Versorgung ambulanter Patientinnen und Patienten zu verbessern. In Familienkonferenzen sollen Hausärztinnen und Hausärzte gemeinsam mit den Patienten und ihren Angehörigen besprechen, welche Behandlungsziele mit welchen Mitteln verfolgt werden sollen. Es soll untersucht werden, wie sich die Familienkonferenzen auf die Versorgung auswirken und welche Unterschiede zur regulären Versorgung erkennbar sind.

Ausführliche Informationen finden Sie auf der Webseite des Projektes cofrail

Die Versorgung von Familienmitgliedern in Hausarztpraxen – Zugangswege zur Erhebung von Versorgungsdaten. Eine Machbarkeitsstudie

Promotionsprojekt von Susanne Walljasper
Betreuung: Stefan Wilm / Vera Kalitzkus (ifam)

Die Rolle der Begleitperson in der hausärztlichen Sprechstunde. Ein Vergleich zwischen begleiteten Patienten mit und ohne türkischen Migrationshintergrund

Promotionsprojekt von Franziska Groß
Betreuung: Stefan Wilm / Heiner Fangerau / Vera Kalitzkus (ifam)
Veröffentlichung: 2018. Franziska Groß, Vera Kalitzkus, Stefan Wilm. Die Rolle der Begleitperson in der hausärztlichen Sprechstunde – Begleitete Patienten mit und ohne türkischen Migrationshintergrund im Vergleich. Eine explorativ-qualitative Befragung. Vortrag auf dem 52. DEGAM Kongress. Innsbruck (AU): 14. September 2018. DOI: 10.3205/18degam022